Totenwache

Es gibt noch den Fall, dass jemand stirbt, ohne dass er vorher was wusste. Plötzlich werdet ihr benachrichtigt, jemand ist gestorben. Und auch hier kann man einiges machen. Was dort empfohlen wird, ist, ihr nehmt nochmal Kontakt auf mit der Seele. Ideal wäre es, wenn ihr in den Raum geht, wo die Leiche aufgebahrt ist. Früher wurde ja dort so eine Totenwache gehalten. Und nach Möglichkeit, dass ihr dann allein seid. Wenn das nicht möglich ist, könnt ihr das auch bei euch in eurem Meditationsraum, Meditationsecke machen. Ihr könnt dort das Bild aufstellen, wenn ihr eins habt von dem Verwandten oder Bekannten, ihr könnt dort eine Kerze anzünden, vielleicht Räucherstäbchen, und dann könnt ihr mit lauten Worten zu der Person sprechen, als ob sie im Raum ist. Es heißt, dass auf dieser Ebene es keine Grenzen gibt für Zeit und Raum, dass also die Seele kommen kann, wenn sie angerufen wird und irgendwo spürt, da ist spirituelle Kraft, dann wird sie auch dorthin gehen. Und so könnt ihr sagen: „Lieber, liebe Sowieso, wenn du mich hörst, will ich dir Folgendes sagen.“ Und dann könnt ihr genau das tun, was ihr tun würdet, wenn ihr wüsstet, dass derjenige in ein oder zwei Tagen sterben wird und bei klarem Bewusstsein ist. Da könnt ihr eben sagen: „Ich bin dir dankbar für die Kraft, die du in meinem Leben warst. Und das und das haben wir zusammen erlebt, das und das war schön und das und das war weniger schön. Das und das war vielleicht, wo ich dir mal eine Weike ärgerlich war, aber ich habe dir längst vergeben. Da habe ich vielleicht mich nicht richtig verhalten, da bitte ich dich noch um Vergebung. Lass das alles los.“ Und dann eben könnt ihr auch nochmal erzählen, was ihr vielleicht wisst über das Leben nach dem Tod. Also wirklich so sprechen, als ob die Person da wäre und dann anschließend eben auch sagen: „Jetzt wäre es deine Aufgabe, auf eine andere Ebene zu gehen. Und ich werde jetzt für dich ein Mantra singen oder ein Gebet sprechen“ – je nachdem, was ihr kennt – „und in der Zeit kannst du dich so ein bisschen darauf einstimmen und Lichtenergie empfangen. Und ich hoffe, es hilft dir auf deinem weiteren Weg.“ Und dann, ein Mantra, was man dort besonders singen kann, ist das „Om Tryambakam“-Mantra, was ja viele von euch kennen. Das kann man dreimal, neunmal, siebenundzwanzigmal, hundertachtmal wiederholen und damit dem Menschen viel Kraft geben. Und das könnt ihr einmal machen und dann natürlich zwischendurch auch noch meditieren, wenn ihr eben die Zeit dafür findet, auch nochmal „Om Tryambakam“, Licht schicken, und nochmal bei der Beerdigung oder was auch immer dort für ein Ritual ist, dort auch Kraft schenken und dann irgendwann loslassen. Also hier, die Yogis würden nicht das empfehlen, was in manchen anderen Kulturen gemacht wird, dass man ständig an den Verstorbenen denkt, denn dabei könnte man ihn oder sie noch ein bisschen festhalten. In den meisten Fällen ist es trotzdem unschädlich, die gehen trotzdem ihren Weg, aber normalerweise würde empfohlen werden, nach einer Weile sich zu lösen.
– Fortsetzung folgt –
Hier klicken, um mehr zum Thema Sterbebegleitung zu erfahren
Teil 64 der Niederschrift aus einem Workshop mit Sukadev zum Thema „Reinkarnation und Karma“ in der Yogaschule Yoga Vidya Speyer.