Reinkarnation im Tierleib?

Alte indische Schriften halten es sogar für möglich, dass wenn man im Moment des Todes zu stark an ein Tier denkt, oder sehr starke Wünsche hat, die im Tierkörper leichter befriedigt werden können, dass man sich im nächsten Leben als Tier inkarniert. Da gibt es jetzt einige, gerade im Westen, die auch wenn sie Reinkarnation für möglich halten, jetzt vehement den Kopf schütteln. Denn in unserer historischen westlichen Zivilisation wird ein ganz großer Bruch gemacht zwischen Tieren und Menschen. Vom Standpunkt vieler christlicher Theologen haben die Tiere keine Seele. nur der Mensch hat eine Seele. Deswegen sind Tiere nach dem BGB Sachen, die man quälen kann, die man besitzen kann, die man schlachten kann, die man essen kann, mit denen man Experimente ausführen kann. Aber die moderne Biologie entspricht durchaus dem, was die Yogis sagen: Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist zwar schon entscheidend ist, aber auch nicht so riesengroß. Auch ein Tier hat Emotionen, auch ein Tier hat Gefühle, ein Tier kann Hass empfinden, kann Ärger empfinden, kann Mitgefühl empfinden, kann sich für andere aufopfern, hat Liebe zu seinen Nachkommen, mag einige andere Tiere, mag einige andere Tiere nicht, hat Treue. Also die Unterschiede zwischen Menschen und Tieren sind auf diesen Ebenen nicht so gravierend. Der Hauptunterschied zwischen Mensch und Tier ist, dass der Mensch den Intellekt hat, die Vernunft, den freien Willen, das Unterscheidungsvermögen und die Fähigkeit systematisch an sich selbst zu arbeiten, zu planen. Das haben jetzt die Tiere erst mal nicht. Angenommen, ein Mensch hat ein Leben geführt, das hauptsächlich sinnlich ausgerichtet war, wo er nur in seinen Emotionen lebt, der Befriedigung seiner Sinne frönt und ein einfaches Leben führen wollte, dann kann es sein dass er das als Mensch nicht so konnte, wie er das gerne wollte. Das kann er ja viel einfacher als Tier. Wenn ein solcher Mensch im letzten Moment seines Lebens an ein Tier denkt, dann, so heißt es, kann er sich noch mal in einem Tierleib inkarnieren. Das Gilt aber als Ausnahme. Die Anthroposophen und manche westliche Esoteriker, deren Reinkarnationstheorie ansonsten der yogischen sehr ähnlich ist, würden sogar sagen, dass ein Mensch sich nicht mehr als Tier inkarniert. Die indischen Schriften in Hinduismus und Buddhismus sagen, dass die große Mehrheit sich im nächsten Leben als Mensch inkarniert. denn es ist letztlich nicht nur ein Kreislauf von Geburt und Tod. Es ist vielmehr eine Spiralförmige Evolution, die sich dann fortsetzt über viele Leben.  Und wenn man mal Mensch ist, dann ist es wahrscheinlich, dass man in nächsten Leben Mensch bleibt. Aber es heißt, dass es auch anders sein kann. Man kann auch noch einen anderen Vergleich anbringen: der kälteste Monat im Jahr ist normalerweise der Januar, ich glaube so um den 15. Januar herum ist in Mitteleuropa so die kälteste Zeit und dann wird es immer wärmer, bis es dann irgendwann um den 15.Juli am wärmsten ist. Aber es ist keineswegs so, dass es jeden Tag um 0,1 Grad wärmer wird, sondern es gibt ein gewisses Auf und Ab. es wird mal wieder ganz warm und kalt werden, obgleich es insgesamt sechs Monate lang wärmer wird. So ist Evolution und Entwicklung in der Natur selten etwas ganz geradliniges, sondern es geht in verschiedenen Höhen und Tiefen. Die indische Lehre von der Möglichkeit der Reinkarnation im Tierkörper hat vermutlich auch einen praktischen Vorteil. Es führt zu mehr Achtung gegenüber den Tieren. Der Mensch ist nicht so viel anders wie das Tier. Die Kuh, die vor einem steht, könnte auch die eigene Großmutter gewesen sein, deswegen wird man sie mit etwas mehr Achtung behandeln. In Pflanzen inkarniert man sich eher nicht. Es gibt aber in den alten Schriften der Puranas noch Ausnahmen, wo man sich in einen Baum inkarniert. Aber, das sind jetzt die großen Ausnahmefälle. Der Reinkarnationsforscher Ian Stevenson und auch die Reinkarnationstherapeuten haben meines Wissens niemanden interviewt, der sich an einem Leben in einem Tier erinnert. Wenn man also am Schluss an Katze gedacht hat, dann  ist es wahrscheinlich, dass man im nächsten Leben in eine Familie geboren wird, in der Katzen eine große Rolle spielen. Oder wenn man im letzten Moment daran denkt, dass man das doch nicht erreicht hat, der Top Geiger zu werden, dann kann es sein, dass man im nächsten Leben recht früh anfängt Geige zu spielen und dann den Enthusiasmus hat ein noch viel besserer Geigespieler zu werden als im vorherigen Leben. Die letzten Gedanken sind also sehr wichtig. Wenn es einem darum geht zur Befreiung, zur Selbstverwirklichung, Gottverwirklichung zu kommen, dann ist es gut, wenn man zum Schluss an Gott denkt, oder an das Unendliche, an das Ewige, an das Absolute. Das führt dann dazu, dass man dann in höhere Ebenen geht und entweder ganz zur Befreiung  kommt oder wenn man noch nicht ganz so weit war, man dann im nächsten Leben relativ früh in Kontakt mit Yoga kommt. Vielleicht schon mit 15, 20 Jahren oder so. Vielleicht wächst man sogar in einer Familie auf, wo die Eltern Yoga praktizieren und man kann relativ zügig dort weitergehen oder was auch immer der spirituelle Weg sei. Es muss ja nicht nur Yoga sein. man kann über verschiedene Leben auch verschiedenen spirituellen Traditionen folgen, um sich ganzheitlich zu entwickeln.

Es gibt nur ein Problem, wenn man stirbt: Man hat da die Gedanken nicht so unter Kontrolle, dass man bewusst an das denken kann, was man will. Vielmehr werden die Dinge an die Oberfläche des Geistes kommen, die einem in diesem Leben besonders wichtig gewesen sind oder die im Leben besonders stark gewesen sind.
Das ist einer der Gründe, weshalb viele großen Meister geraten, dass man jeden Tag mindestens 20 Minuten mit einer und derselben Meditationstechnik, vorzugsweise mit einem Mantra, meditiert. Und das Mantra auch am Tag immer wieder wiederholt. Wenn man jeden Tag so viele Minuten konzentriert und auch unbewusst an das Mantra denkt, wird der Gedanke an das Mantra zum stärksten Gedanken in seinem Leben. Und dieser kommt dann im Moment des Todes ganz von selbst und verhilft zu einem angenehmen Tod und einen guten Übergang in höhere Ebenen des Seins.

Wiedergeburt

9. Teil eines Vortrags von Sukadev Bretz über Reinkarnation . Fortsetzung folgt.