Leben nach dem Tod ohne Bedeutung?

Eine nächste Vorstellung, und das ist die heute vorherrschende, ist, dass wir nicht wissen können, was nach dem Tod ist, es wird zwar irgendwie weitergehen, aber es spielt für dieses Leben keine Rolle. „Und solange ich mich in diesem Leben einigermaßen irgendwie gut verhalte, wird es schon nachher nicht schlimm sein.“ Also, in manchen der Umfragen ist diese Vorstellung eine relativ populäre, und auch, wenn ihr mal mit nicht spirituellen Verwandten sprecht, werdet ihr zügig dazu kommen oder herausfinden, dass die Mehrheit das irgendwie annimmt. Das mag ein bisschen gut klingen, hat nur einen ganz entscheidenden Nachteil. Es ist eine sehr unsichere Vorstellung und diese unsichere Vorstellung führt dazu, dass wir eine unsichere Grundeinstellung  haben. Solange alles gut geht, ist es alles ok. Aber das Leben ist nicht so, dass es dauerhaft gut geht. Es gibt Momente, wo man in Lebensgefahr gerät. Man kann schwere Unfälle bekommen. Es gibt unheilbare Krankheiten, sogar bei Menschen, die Yoga üben. Es gibt Verwandte, Kinder, Ehepartner, Eltern, die in schwere Probleme geraten. Und sowie das passiert, werden Menschen in ihrer Grundlebenseinstellung erschüttert und dann gerät ihr Leben aus der Bahn. Eines der Phänomene, das in westlichen Gesellschaften an psychischen Problemen immer mehr Einfluss nimmt, ist das so genannte posttraumatische Belastungssyndrom. Paradoxerweise, obgleich eigentlich in den letzten Jahrzehnten erheblich weniger Menschen traumatische Erfahrungen hatten als früher üblich, Zeiten der Weltkriege, Hungersnöte, Seuchen, dort gab es noch mehr als heute. Heute wenn Menschen irgendwie aus der Bahn geworfen werden, dann führt es gleich zu einem posttraumatischen Belastungssyndrom. Und ich meine, das hängt auch damit zusammen, dass irgendwo eine tiefe Verwurzelung in etwas Höherem fehlt. Und man hat z.B. festgestellt, dass tibetische Buddhisten, die ja schlimmste Sachen erlebt haben nach 1947, dass die erheblich weniger unter psychischen Beschwerden gelitten haben und aufschrecken über Albträume usw., als andere Menschen, eben z.B. in westlichen Ländern. Obgleich sie Schlimmstes erlebt haben, schlimmste Folter mitgemacht haben, erlebt haben, wie die engsten Angehörigen niedergemetzelt wurden und verstümmelt wurden und natürlich danach erstmal sehr erschüttert waren, sind sie wieder leichter zurückgekommen in eine Fähigkeit, Leben wieder zu genießen, freudevoll sein zu können, Alltag leben zu können und sich lösen zu können von diesen Erfahrungen und Erinnerungen. So meine ich, ist es wichtig, sich mindestens die Fragen zu stellen, darüber nachzudenken, dann haben wir schon etwas vorgebeugt, wenn es passiert, nicht, falls es passiert, sondern wenn es wieder passiert, dass wir mit der Vergänglichkeit des Menschseins konfrontiert werden.

– Fortsetzung folgt –

Teil 6 der Niederschrift aus einem Workshop mit Sukadev zum Thema „Reinkarnation und Karma“ in der Yogaschule Yoga Vidya Speyer.